Riesenkundgebung gegen den roten Terror

  • Einige Tage nach dem Mai-Anschlag kommt es zu einer Riesenkundgebung auf dem Schloßplatz und der durchführenden Straße, das Regime hat dafür bestens vorgesorgt, der Tag ist arbeitsfrei, doch es herrscht für alle nicht an der Kundgebung Beteiligten in der Innenstadt Ausgangssperre, Polizei und Heimwehr fahren, laufen und reiten unter Beihilfe der Landwehr unentwegte Streifen, die Innenstadt ist hermetisch abgeriegelt, Ein- und Ausfahrt ist nur nach Passage von Kontrollposten möglich; es wird das Gerücht gestreut, die an der Heimwehr beteiligten Soldaten, Polizisten und Heimwehrmänner hätten in den Gewehren scharfe Munition. Auch werden Gerüchte der Art kolportiert, die Regierung hätte die Erlaubnis erteilt, mögliche Attentäter auf offener Straße zu lynchen bzw. dies für straffrei möglich erklärt. Es sind etwa 200.000 VF-Mitglieder aus dem ganzen Land zusammengekarrt worden, die an der Kundgebung teilnehmen.


    Bald soll der Kanzler, der mit den anderen Regierungsmitgliedern auf einer Tribüne steht die eröffnenden Worte sprechen. Um das ganze spektakulärer zu machen, ist es als nächtlicher Fackelumzug angelegt, um auch hier die Sicherheit gewährleisten zu können, sind die Beamten zu einem signifikanten Teil mit Nachtsichtgeräten und Funkgeräten ausgestattet.

  • Betritt die Tribüne und blickt zufrieden in eine Meer von Fahnen und Fackeln. Noch sind die Mikrophone aus.


    Ja, so soll das aussehen!


    erspäht dann auch das VF-Symbol, das Hirschwappen und eine Lutherrose, die mit Fackeln abgebildet worden sind, letztere sogar mit farbig brennenden Fackeln.


    Das hätte doch Nordhanar niemals auf die Straße gebracht bei deren Hyperindividualismus!

  • Die Rundfunk- und Wochenschauleute filmen das Geschehen, man zeigt die Tribüne, die Kundgebungsteilnehmer und Spruchbänder, die sich gegen bolschewistischen Terror richten. Es wird nicht nur auf Film, sondern auch elektronisch gedreht, sogar eine Direktübetragung findet nach einigem Zögern statt. Allerdings ist es eine Pseudodirektübertragung mit etwa 20 Minuten Zeitversatz, inzwischen haben entsprechende technische Lösungen selbst in Korland Einzug gehalten.

  • Die hätten ja nicht mal die Beleuchtung für die Filmaufnahmen gemeistert!


    Angesichts des vergleichsweise geringempfindlichen Farbfilmaterials, das für die Aufnahmen für die Wochenschau Verwendung fans waren zur Erleuchtung der Szenerie ganze Lampenbatterien nötig, was seinerseits die Stadtwerke und Beleuchter vor gewisse Schwierigkeiten stellte und zu einem strikten Verbot der Benutzung elektrischer Kochherde und Warmwasserbereiter für die Anlieger führte, auch wenn durchaus der ein oder andere Notfallplan ergriffen worden ist und vor Ort Notstromerzeuger aufgestellt sind.


    Auf dem Rednerpult lag ein Redemanuskript bereit, aber der Kanzler wußte auch so, was er sagen wollte.

  • Auf der Tribüne konnte man unter anderem auch die Frau Minister Baranowski – vorsorglich hatte man dazu den Boden etwas verstärkt und mehr Raum eingeplant –, die Herren Minister Altenburg und Goldstein, auch die noch im Amt befindlichen Bezirks- Referatsleiter der VF waren in ihren Frontuniformen erspähen. War auch der Präsident zugegen? Noch schien er nicht zu erkennen. Das Publikum wurde derweil mit Getränken und Bratwurst und Flecksuppe und von Landwehr- und VF-Kapellen intonierten Marschliedern bei Laune gehalten.

  • Erhebt die Hand zum Degenberg-Gruß.


    Meine sehr verehrten Landsleute, liebe Kameraden der Vaterländischen Front!


    Es ist ein zutiefst betrübliches und niederträchtiges Ereignis, dessentwegen wir hier heute zusammengefunden haben. Der Bolschewismus in seiner ganzen jämmerlichen Niedertracht konnte sich mit dem erneuten Sieg über Moderne und Postmoderne nicht abfinden, wie sein liberalistischer Bruder mit dem er zusammen ganz Nordostantika bis auf Korland unter seine Herrschaft gebracht hat, strebt er danach die ganze Welt sich einzuverleiben!


    Der Marxismus, der von geschichtlichen Gesetzmäßigkeiten spricht und glaubt, daß die Abfolge von der alten Gesellschaft über den Kapitalismus hin zum Kommunismus über die Diktatur des Proletariats eine unveränderliche Tatsache sei, der muß natürlich im Dreieck springen, wenn das in Korland alles nicht stattfinden will und er autoritäre Korporatismus bereits zum zweiten Mal über den liberalen Kapitalismus gesiegt hat und den Kommunismus nie zum Zuge kommen ließ. Nun glaubt er, dieses treukorische Volk, das sich von niemandem bezwingen, von niemandem einen liberall-kapitalistischen oder marxistischen Weg aufzwingen läßt, bestrafen zu müssen, indem er heimtückische und niederträchtige Anschläge auf ganz gewöhnliche Menschen verübt!


    Auf das Postamt, auf Züge, auf Kraftwerke usw. Das ist der Geist des Marxismus, daß er über Leichen gehtund das gegen Leute, die nichts getan haben ja vielleicht gesinnungsgenossen oder völlig unpolitisch sind. Diese Leichenberge, die er in der Welt hinterlassen hat, sind ja wohl überliefert. Nur weil die Koren nicht so wollen, wie sich das die Herren Theoretiker vorstellen, muß das Volk mit Blutopfern gequält werden. Doch sollte die roten Mordbuben glauben, sie könnten so etwas erreichen, dann sollen sie durch diese kollossale Kundgebung des Willens von hunderttausenden sehen, daß Sie dafür nur Verachtung erfahren. Schande über sie.


    tosender Beifall


    Diese Kundgebung der Hunderttausenden soll beweisen, daß sich Volk und Front fest hinter der Regierung scharen und die Schande der Anschläge zutiefst verurteilen. Der unbesiegbare Wille frei vom Marxismus zu sein ist vital und ungebrochen. Mit der Schande vom 1. Mai hat der Bolschewismus selbst bewiesen, an wessen Händen Blut klebt.


    Ich habe mit den Angehörigen der Todesopfer gesprochen, legen wir zu ihren Ehren eine Schweigeminute ein!

  • Der Leiter des nationalpolitischen Referats ist natürlich selbstredend auch vor Ort, allerdings nach wie vor nicht gut auf Schündler zu sprechen, daß der mit Goldstein einen Juden zum Finanzminister gemacht hat und noch immer keiner der Nationalen in der Regierung sitzt.

  • Meine lieben Landsleute, nach unserem gemeinsamen Schweigen im Gedenken an die Toten, will versichern, daß für die Opfer der Anschläge und deren Hinterbliebene alles tun wollen, was uns möglich ist, um ihr Leid und ihre Sorgen zu lindern. Wir werden weder rasten noch ruhen, bis die Täter ergriffen und ihrer gerechten Strafe zugeführt sind.


    Wenn wir weiter alle so fest zusammenstehen und zusammenhalten im Kampfe für ein freies und unabhängiges christliches-soziales Chorland auf autoritär-berfufsständischer Grundlage, dann wird es uns sicher gelingen mit Gottes Hilfe gegen eine Welt von Feinden zu bestehen.


    Niemand wird unser Korland dann jemals bezwingen können, wenn er nicht gleich sein Staatsvolk auslöscht, denn niemand wird diesen falschen Propheten des Kommunismus und des reinen Profitdenkens folgen. Es wird uns gelingen unser Land noch eine ganze Weile von den Krankheiten der Moderne weitgehend verschont zu halten. Das geht aber nur, wenn auch weiterhin Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gemeinsamem Schaffen für die Volksgemeinschaft zusammenfinden und das in der täglichen Arbeit und in den Korporationen täglich aufs Neu beweisen.


    Nur der autoritäre Staat kann das christliche Abendland (*) noch vor dem Untergange retten, so daß zu hoffen ist, daß man bald auch anderswo unserem Beispiel folgt – Bewegung in diese Richtung ist in Seyffenstein und anderswo ja durchaus gekommen. Aber jetzt wollen wir doch die Kraft unter Beweis stellen und es sollen sich die Kundgebungsteilnehmer im Fackelschein ihren Weg durch die Nacht bahnen. Wie Schöpfergott und christlicher Glaube das ideelle Licht in der Nacht ist, so ist diese Kundgebung hier die materielle Umsetzung, damit auch der letzte dumme Marxist und Ultraliberale gemerkt hat, daß wir hier sind und den Platz für sie nicht räumen werden und selbst wenn diese Kundgebung natürlich irgendwann ihr Ende haben wird, so sind wir morgen wieder da und neue Generationen folgen den alten.


    Wie ich sehe sind hier Männer und Frauen von den ganz jungen angefangen bis zum hochbetagten Greis und aller Stände zusammengekommen um gemeinsam für das ewige Korland einzustehen.


    Ich danke Ihnen für Ihr Kommen und glaube, daß wir damit den überwältigenden Beweis antreten können, daß die Saat der Feinde unseres Volkes und seiner Werte in unserem Vaterland nicht auf fruchtbaren Boden fällt.


    Nach einer Klatschpause wird "Ein feste Burg ist unser Gott", darauf folgend die Nationalhymne und schließlich das Degenberg-Lied intoniert, dann beginnt der eigentliche Marsch durch die Stadt.