• Das erinnert mich doch ein wenig an den Lebenslauf von Friedrich Engels, der ja selbst aus der Bourgeoisie stammte. Ihren Erzählungen entnehme ich aber, dass sie hauptsächlich auf eigene Faust politisch unterwegs waren. Kein Wunder, dass Sie damit nicht so erfolgreich waren, denn wer die Welt verändern will braucht Genossen.

    Augusto Javier Rivero Diaz, auch bekannt unter dem Namen Bebel

    USR-Außenbeauftragter

    Mitglied des ZK der PSU

  • Es ist auch noch nie passiert, dass ein Einzelner die Massen mobilisiert und sei er noch so belesen und redegewandt. Das ist eine romantische Vorstellung, die vor allem in den progressiven Teilen des Bürgertums verbreitet ist. Es kommt darauf an, Strukturen zu schaffen, die eine Organisation der Massen überhaupt erst ermöglichen. Diese Strukturen werden nur durch eine in den Massen verankerte sozialistische Partei geschaffen.

    Augusto Javier Rivero Diaz, auch bekannt unter dem Namen Bebel

    USR-Außenbeauftragter

    Mitglied des ZK der PSU

  • Erreicht das Café in der Absicht seine Frau abzuholen


    Buenas tardes Carmen!


    Erblickt dann diesen Communisten Rivero


    Überall dieser Señor Rivero... Ist es denn für möglich zu halten! Aber früher oder später wird selbst das einfache Volk den einsetzenden Niedergang zu spüren bekommen und satt haben und die Ungerechtigkeit, daß Leute um ihr Eigentum betrogen wurden! Denn sie werden sehen, es wurde zwar was verteilt, aber von ihren Leistungen können sie auch wenig bis nichts für sich behalten! Jeder, der mehr leistet oder hat, muß sofort wieder alles abgeben. Und daß nehmen nicht selig ist, das sagt auch die Religion! "Du sollst nicht stehlen!"

  • "Quälen" ist ein Weites Feld. Die Politik hier ist jedenfalls eine einzige Qual für mich! Meiner Familie gehörten rechtmäßig große Ländereien, jetzt ist alles enteignet und an andere Leute verteilt. Ich wurde zwangsproletarisiert, ohne die Manufaktur meiner Frau dürfte ich nun wahrscheinlich auf meinen eigenen Feldern für den Staat oder eine Kooperative arbeiten! Und so etwas soll "Gerechtigkeit" sein? Was habe ich getan, außer adlig und reicher geboren worden zu sein, es ist nichts als Neid!

  • Señor Asteron, da war ich nur kurz auf einen Café bombón hier und wurde von Ihrer Frau schon in ein Gespräch verwickelt. Es ging auch um den von Ihnen wieder erhobenen Vorwurf, wir Sozialisten hätten das Eigentum abgeschafft. Dabei haben wir doch genau das Gegenteil getan. Sicher wurde das Großkapital und der Großgrundbesitz enteignet, doch insgesamt gibt es mehr Eigentümer als vor der Revolution. Ohne den Schutz vor der globalen Konkurrenz würde es die Manufaktur Ihrer Frau auch gar nicht mehr geben, die wäre schon längst aufgekauft worden von einem Konzern aus Dreibürgen oder aus Astor. Wie Ihre Frau erzählte stand sie ja tatsächlich kurz vor dem Konkurs.

    Augusto Javier Rivero Diaz, auch bekannt unter dem Namen Bebel

    USR-Außenbeauftragter

    Mitglied des ZK der PSU

  • Wenn das mal nicht umgekehrt war... Dieser Rivero würde ihm gewiß auch noch die Frau nehmen, wenn er könnte.



    Sie haben Dinge, die mir rechtmäßig gehörten weggenommen. Wohl möglich, daß Sie irgendwan nicht nur anfangen, das individuelle Vermögen unter den Leuten zu verteilen, sondern das darusische Volksvermögen all überall in der Welt oder massenhaft Ausländer in unser Land zu holen, um die neue Gesellschaft mit Brachialgewalt zu errichten.


    Man kann nicht "neues" Eigentum erschaffen, indem man einfach anderer Leute Besitz verteilt! Was ist ein Eigentum wert, das ständig wieder genommen und neu verteilt werden kann? Es ist nichts als eine vorübergehende Zuweisung oder Duldung. Die Manufaktur meiner Frau wäre rein wirtschaftlich zu Recht bankrott gegangen, so rückständig und veraltet wie sie war und im Grunde immer noch ist, lediglich ihre unflexible Planwirtschaft und die Marktabschottung sichert uns wieder eine vernünftige Ertragslage. Wir produzieren, was die Leute wollen, die Kooperativen und Staatsbetreibe, was sie sollen. Aber den Schutz der einheimischen Industrie könnten wir Nationaldemokraten auch sicherstellen, indem wir die einheimischen Unternehmer fördern und schützen.

  • Der Asteron wirkt etwas ungehalten, ob es daran liegt, dass seine Frau im Café mit einem fremden Mann gesprochen hat, noch dazu mit einem Kommunisten? Gut möglich, dass er seiner Frau das verbietet, so reaktionär wie er ist.


    Ich verstehe nicht, woher dieser Vorwurf nun kommt. Wozu sollten wir "massenhaft Ausländer" brauchen , um die neue Gesellschaft zu errichten? Wir verfolgen keine gezielte Migrationspolitik, weder schotten wir uns vor jeder Einwanderung ab noch werben wir gezielt Gastarbeiter im Ausland an. Das wissen sie aber vermutlich selbst, sie und ihre sogenannten "Nationaldemokraten" wollen ohnehin nur nationalistische Ressentiments schüren.


    Wie Eigentum verteilt ist, ist auch keine abstrakte Moralfrage oder eine des besten Argumentes sondern eine des konkreten politischen Kräfteverhältnisses. In Staaten, in denen der Adel oder die Bourgeoisie herrschen, ist das Eigentum in wenigen Händen konzentriert, was dazu führt, dass der größte Teil der Bevölkerung kaum etwas besitzt als seine eigene Arbeitskraft. Arbeitslosigkeit ist in kapitalistischen Ländern gleichbedeutend mit Verarmung und Verelendung, im besten Fall wird man zum Almosenempfänger wie in Dreibürgen oder zum Obdachlosen wie in Astor. In Darusien aber herrscht die Arbeiterklasse im Bündnis mit den fortschrittlichen Teilen des Kleinbürgertums, damit solche Zustände hier nie wiederkehren.

    Augusto Javier Rivero Diaz, auch bekannt unter dem Namen Bebel

    USR-Außenbeauftragter

    Mitglied des ZK der PSU

  • Die Kommunisten erachten mit ein paar Ausnahmen die Nation seit jeher als ein Überbleibsel, die es zu beseitigen gilt, weil ein Nationalbewußtsein der internationalistischen Ideologie schadet. Der Darusier, der Taurogge soll nur noch Unionsbürger, dann nur noch Mensch sein. Das brauche ich Ihnen doch nicht zu erklären, was liegt da näher als bei dieser Entnationalisierung etwas nachzuhelfen?


    Das mag so sein [Astor, Dreibürgen], aber Korland mit seinem autoritären Korporatismus verbindet Privateigentum ohne Enteignungen und einen quasi garantierten Arbeitsplatz. Nachdem man die Annektion durch Nordhanar rückgängig gemacht hatte, wurden alle arbeitslos gewordenen wieder eingestellt und die Unternehmer vor dem Konkurs geschützt.


    Meine Ländereien gehören nachwievor rechtmäßig mir, die Revolutionäre haben sie gestohlen und Unrecht zu Recht erklärt, jahrhundertealter Besitz und Eigentum kann nicht einfach so mir plötzlich nicht mehr gehören!

  • Ich nenne ihnen sogar noch ein besseres Argument: Wenn sie Arme aus Entwicklungsländern ohne Qualifikation ins Land holen, dann sind das was? Proletarier! Die haben hier in Darusien nie etwas besessen und dazu kommt, daß Sie wissen, daß ein Asteron und die PDN sie wieder nachhause schicken wird, wenn wir an die Macht kommen. Was sind sie also? Parteigänger der Kommunisten! Nehmen sie bevorzugt junge und kräftige Leute, können sie die auch leicht zur Niederschlagung einer "Konterrevolution" einsetzen!

  • Nimmt am benachbarten Tisch Platz, klackt sich eine Zigarette an und bestellt in etwas improvisiertem Darusisch einen schwarzen Kaffee. Wer sich mit Zigarettenmarken auskennt und auf die Schachtel sieht, wird wissen, daß die Dame Nordhanarin ist, wer noch etwas genauer hinsieht, daß sie aus Mikulov stammt, denn die Schachtel ist valbronnisch [tschechisch] bedruckt. Dann packt sie einen Block und einen Stift aus und beginnt zu schreiben.


    Ist das nicht Augusto Rivero?

  • Der Mann wollte ihr zwar Feuer reichen, aber Zora war schneller, sie war ja auch näher dran und sehr geübt im Anzünden von Zigaretten.


    Oh, wie schade, ich habe sie schon so angemacht, aber die Gelegenheiten, mir Feuer zu geben sind häufig....


    schmunzelt


    Zora Svobodová, Sozialistin und Schriftstelerin und gelegentliche Malerin und Regisseurin aus Mikulov in Nordhanar. Sie müssen verzeihen, aber mein Darusisch ist leider nur mäßig. Ich arbeite zwar gelegentlich als Übersetzerin, aber in anderen Sprachen.

  • Ich nenne ihnen sogar noch ein besseres Argument: Wenn sie Arme aus Entwicklungsländern ohne Qualifikation ins Land holen, dann sind das was? Proletarier! Die haben hier in Darusien nie etwas besessen und dazu kommt, daß Sie wissen, daß ein Asteron und die PDN sie wieder nachhause schicken wird, wenn wir an die Macht kommen. Was sind sie also? Parteigänger der Kommunisten! Nehmen sie bevorzugt junge und kräftige Leute, können sie die auch leicht zur Niederschlagung einer "Konterrevolution" einsetzen!

    Sie haben Recht, dass Proletarier wissen, wer ihre Interessen am besten vertritt. Das gilt genauso für darusische Proletarier. Die Nationaldemokraten dagegen vertreten die Interessen der ehemaligen Großgrundbesitzer und Großkapitalisten. Kein Wunder also, dass sie im Lande kaum noch verankert sind.


    Begrüßt die Dame, die am Nebentisch Platz genommen hat und mit Stroessner ins Gespräch gekommen ist.

    Augusto Javier Rivero Diaz, auch bekannt unter dem Namen Bebel

    USR-Außenbeauftragter

    Mitglied des ZK der PSU

  • Wundert sich ein wenig über die Verbeugung, hatte sich das hier alles irgendwie "proletarischer" vorgestellt.


    Ein Charmeur der alten Schule und das hier in der Union...;) Ist halt auch alles nur bürgerliche Propaganda, was man so hört... Valbronnisch natürlich von Geburt an, dann eigentlich ganz gut Deutsch und Albernisch, schließlich noch passabel barnstorvisch und andrussisch!


    Erwidert den Gruß.


    Buenas tardes, camarada Rivero!

  • Lächelt verbindlich.


    Deutsch, geht ganz gut. Verzeihen wenn ich mir ab und an am Ohr herumspiele bin von Geburt an schwerhörig und muss mein Hörgerät ab und an justieren.

    Wissen Sie mit ein wenig Hilfe , weiß auch ein Arbeiter sich zu benehmen. Aber stimmt ich wurde als Bourgeois geboren.

    Sie kommen also aus Valbronn wenn ich das recht verstand?

  • Danke für die Begrüßung, ich will mich einfach mal umsehen, wie es hier so ganz praktisch bei Euch ist und wie das alles so klappt. Wobei ich dazu sagen muß, daß ich nicht so festgelegt bin, ob der Sozialismus durch Revolution oder Reformen eingeführt werden soll, es kommt für mich vor allem darauf an, objektive Mehrheiten für den Übergang für den Sozialismus zu gewinnen, weil das die Voraussetzung ist, aber da ich nicht so recht dran glaube, daß die Herren Kapitalisten sich freiwillig zwingen lassen...


    lächelt


    Aber seit dem Bürgerkrieg und dem Henker-Regime gab es ja nur die sozialistische Einheitspartei, keine Sozialdemokraten, keine Kommunisten usw. Es war seitdem nicht mehr nötig sich da genauer festzulegen. Ich gehöre jedenfalls dem linken Flügel der Sozialisten an, den Übergang zum Sozialismus aufzugeben fiele mir im Traum nicht ein!


    nimmt noch tiefen Zug von ihrer Zigarette


    Wissen Sie Genosse - wir können aber auch Du sagen, wie sich das unter Genossen gehört - ich entstamme ebenfalls dem Bürgertum, wandte mich aber schon als Jugendliche dem Sozialismus zu, aber irgendwie ist das drin, ich rauche manchmal sogar mit Spitze...


    Nein, aus dem Herzogtum Großhohenlau, das genau wie das Kurfürstentum Valbronn zum Großherzogtum Mikulov gehört und dort aus Brünnlau, um genau zu sein. Bis vor knapp 3 Monaten gehörte Valbronn allerdings zu Hamartia und Großhohenlau zum Königreich Bajar und wurden in Personalunion regiert, erst dann wurden wir faktisch zum Nationalstaat, jetzt gibt es nur noch deutsche Minderheiten.