Bei den Genossen

  • Hans Kaschinski is von Korland in die Parteizentrale der Sozialisten gereist und versucht dort jemanden ausfindig zu machen, um über den möglichen Anschluß der korischen Sozialdemokratie zu reden. In der Nacht vor dem Flug hate er einen merkwürdigen Traum, er würde vor einer Parteizentrale stehen, diese betreten und von innen ein leeres Gebäude vorfinden, keiner würde mit ihm sprechen. Aber solche wirren Träume gibt es ja, wenn große Dinge bevorstehen.


    Guten Tag, ist hier jemand? Gestattet, Kaschinski, mein Name. Ich komme aus Korland im Namen des Notvorstands der SPK und will mit Euch reden.

  • Der Parteipräsident höchstselbst - momentan aufgrund diverser Äußerungen während der letzten Sitzung der Reichsdiät beurlaubt - geht auf den Genossen zu.


    Gestatten, Hammersbreuchner, mein Name. Parteipräsident der Sozialisten.

  • Das freut mich Genosse Hammersbreucher, daß Du Dich, oder sagt ihr hier Sie persönlich um mich kümmerst? Wir waren so lange im Untergrund, bei uns gibt es daher praktisch kein Sie mehr und auch schon vorher war es selten... Aber ich bin vom provisorischen Vorstand delegiert, um mich mit den Sozialisten in Nordhanar auszutauschen, wie so eure Arbeit so verläuft und die Erfahrungen mit dem Staat sind.


    Ansonsten stellt sich uns die Frage, ob wir dem Reichsverband der Sozialisten beitreten. Da gibt es bei uns noch unterschiedliche Auffassungen. Den Anschluß an das Reich hält in dieser Form für uns keiner für legitim, das Volk wurde nicht gefragt und die VF-Diaktatur wird sogar noch gestützt, die VF hat jetzt sogar formal noch mehr Abgeordnete, denn vorher waren es unter 50%, auch wenn die Berufsstände natürlich genauso gleichgeschaltet wurden. Es gibt natürlich unter den Genossen auch starke Vorbehalte, daß jetzt wohl mittelfristig die Monarchie wieder eingeführt werden soll. Aber die Frage des Beitritts zum sozialistischen Reichsverband hängt bei den meisten Genossen nicht von diesen Fragen ab, sondern, ob wir uns politisch einig werden können. Ich habe hier eine Abschrift von unserem alten Grundsatzprogramm bei mir:


    Grundsatzprogramm der Sozialdemokratischen Partei Korlands


    Präambel

    Die Sozialdemokratische Partei Korlands ist die Partei der korischen Werktätigen und des korischen Volkes. In Ihr versammeln sich Männer und Frauen, um für soziale Gerechtigkeit, Rechtstaatlichkeit und Völkerverständigung zu arbeiten.


    Sozialdemokratie

    Die Sozialdemokratie strebt die Verwirklichung einer Gesellschaftsordnung an, die von sozialer Gerechtigkeit, Rechtstaatlichkeit und demokratischer Teilhabe aller Menschen am politischen Willensbildungsprozess gekennzeichnet ist.

    Die Sozialdemokratie bekennt sich uneingeschränkt zu den Grundsätzen der Menschenrechte, der Menschenwürde sowie zu den Prinzipien der Gewaltenteilung, der Verantwortlichkeit der Regierung vor dem Volk, der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung und der Bindung der Rechtsprechung an Recht und Gesetz.

    Die Sozialdemokratie ist eine Form des demokratischen Sozialismus. Sie beansprucht für sich, die Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Solidarität aufgegriffen, weiterenwickelt und auf alle Menschen anwendbar gemacht zu haben.

    Zu Unrecht berufen sich die Kommunisten auf den demokratischen Sozialismus, denn sie haben das sozialistische Gedankengut verfälscht: sie propagieren zwar die klassenlose Gesellschaft, nutzen aber die Zerstrittenheit der Gesellschaft auf, um eine Diktatur des Proletariats unter der Gewaltherrschaft einer Avantgardepartei zu errichten.

    Deswegen leistet die Sozialdemokratie Widerstand gegen jede Form von Diktatur und Gewaltherrschaft. Nur eine demokratisch verfasste Staatsform bietet allen Menschen gleiche Chancen auf Verwirklichung ihrer Ziele, und auf die Vollendung von Freiheit, Gleichheit und Solidarität.


    Bildung

    Die Sozialdemokratie bekennt sich zum Anspruch auf Bildung für alle Menschen. Eine nach Abkunft gestaffelte Bildung darf es nicht geben. Deshalb strebt die Sozialdemokratie die Bildung einheitlicher höher Volksschulen an und die Einführung einer zehnjährigen Schulpflicht für Knaben und Mädchen an.

    Die Universitäten sind für alle Volksschichten zu öffnen. Nur die Leistung darf Kriterium für den Zugang sein.

    Um allen Menschen einen freien Zugang zu Bildung zu ermöglichen, sollen der Besuch von Kindergarten, Schule und Universität kostenfrei sein.


    Wirtschaft

    Die Sozialdemokratie bekennt sich zum Anspruch auf Privateigentum. Das Eigentum soll zugleich der Allgemeinheit dienen. Wo Eigentum Missbraucht wird, sollen Möglichkeiten geschaffen dieses zu Gunsten des korischen Volkes zu enteignen.

    Die Sozialdemokratie bekennt sich zur Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und der Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen unseres Landes. Ihre Früchte dürfen nicht nur einigen Wenigen, sondern allen Menschen im Lande zu Gute kommen.

    Ziel sozialdemokratischer Wirtschaftpolitik ist die Ziel sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik ist stetig wachsender Wohlstand und eine gerechte Beteiligung aller am Ertrag der Volkswirtschaft, ein Leben in Freiheit ohne unwürdige Abhängigkeit und ohne Ausbeutung.


    Sicherheit und Verteidigung

    Die Sozialdemokratie bekennt sich zur Landesverteidigung und Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit und Ordnung durch Polizeikräfte aus.

    Landesverteidigung und Polizei sind der parlamentarischen Kontrolle zu unterstellen. Polizei und Streitkräfte dürfen sich nicht zum "Staat im Staate" wandeln, sondern müssen immer dem Primat der Politik unterstehen.


    Agrarwirtschaft

    Die Agrarwirtschaft unterliegt ständig Einflüssen, die sich der Steuerung entziehen. Dennoch gibt es Faktoren, die die Agrarwirtschaft fördern können.

    Die Sozialdenokratie befürwortet das Eigentum an Grund und Boden durch kleine und mittlere Betriebe. Die Monopolstellung der Großgrundbesitzer muss zugunsten einer gerechten Verteilung unter landlosen Pächtern beseitigt werden.

    Des Weiteren befürwortet die Sozialdemokratie die Gründung von genossenschaftlich organisierten Landwirtschaftsbetrieben, die sich dem Wohl all' ihrer Mitglieder verpflichtet hat.


    Arbeiter, Angestellte und Beamte

    Arbeiter, Angestellte und Beamte bilden das Rückgrat der korischen Wirtschaft. Ihnen darf das Recht zur Bildung von Gewerkschaften nicht vorenthalten werden. In der heutigen Wirtschaft sind die Arbeitnehmer denen ausgeliefert, die die Kommandostellen der Unternehmen und ihrer Verbände besetzen, wenn sie ihnen nicht in unabhängigen Gewerkschaften ihre solidarische, demokratisch geordnete Kraft entgegenstellen, um die Arbeitsbedingungen frei vereinbaren zu können. Das Streikrecht gehört zu den selbstverständlichen Grundrechten der Arbeiter und Angestellten.

    Deswegen bekennt sich Sozialdemokratie zur freien Gewrkschaftsbewegung als ihre legitime Vertretung im Kampf um eine gerechte Entlohnung, um Mitbestimmung in den Betrieben und als Instrument der Emanzipation aller Werktätigen.


    Solidarität

    Jeder Mensch hat Anspruch auf Solidarität der gesamten Gesellschaft im Falle von Krankheit, Berufsunfähigkeit, Invalidität oder Pflegebedürftigkeit. Deswegen befürwortet die Sozialdemokratie die Einführung einer Mindestrente, einer ausreichenden Versorgung im Krankheitsfall, einer Hilfe für Notlagen und Programme für einen sozialen Wohnungsbau.

    Die Familie ist unter den besonderen Schutz des Staates zu stellen. Sie muß deshalb sozialen Schutz genießen und darf nicht nur privatem Gewinnstreben überlassen werden.


    Frau, Familie, Jugend

    Die Sozialdemokratie setzt sich für die rechtliche, soziale und wirtschaftliche Gleichberechtigung der Frau ein. Der Frau müssen die gleichen Möglichkeiten für Erziehung und Ausbildung, für Berufswahl, Berufsausübung und Entlohnung geboten werden wie dem Mann. Gleichberechtigung soll die Beachtung der psychologischen und biologischen Eigenarten der Frau nicht aufheben. Hausfrauenarbeit muß als Berufsarbeit anerkannt werden. Hausfrauen und Mütter bedürfen besonderer Hilfe. Mütter von vorschulpflichtigen und schulpflichtigen Kindern dürfen nicht genötigt sein, aus wirtschaftlichen Gründen einem Erwerb nachzugehen.

    Staat und Gesellschaft haben die Familie zu schützen, zu fördern und zu stärken. In der materiellen Sicherung der Familie liegt die Anerkennung ihrer ideellen Werte.

    Die Jugend muß befähigt werden, ihr Leben selbst zu meistern und in die künftige Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft hineinzuwachsen. Staat und Gesellschaft haben deshalb die Aufgabe, die Erziehungskraft der Familie zu stärken, sie in den Bereichen, die sie nicht ausfüllen kann, zu ergänzen und notfalls zu ersetzen. Die Entfaltung der beruflichen Fähigkeiten des jungen Menschen erfordert ein System allgemeiner Erziehungs- und Ausbildungsbeihilfen.


    Aussenpolitik

    Sozialdemokratische Aussenpolitik orientiert sich an der Aufgabe, den Frieden zu wahren und die Freiheit zu sichern.

    Die Sozialdemokratie bekennt sich zur Zusammenarbeit in internationalen Organisationen, die dem Weltfrieden, der Völkerverständigung und der Freiheit aller Menschen dienen. Sie ist bereit, im Rahmen der Schaffung einer friedlichen Welt, Hoheitsrechte auf internationale Organisationen zu übertragen und in der Lage sind, diese Ziele zu verwirklichen. Aus diesem Grund befüwortet die Sozialdemokratie ausdrücklich den Beitritt Korlands zur UVNO und ihrer Stärkung.

    Die UVNO muss die allgemeine Weltorganisation werden, die sie ihrer Idee nach sein soll. Ihre Grundsätze sollen allgemeinverbindlich sein.


    Der sozialdemokratische Weg

    Die Sozialdemokratie erfüllt eine geschtliche Aufgabe: Die Vorrechte der herrschenden Klassen zu beseitigen und allen Menschen Freiheit, Gerechtigkeit und Wohlstand zu bringen das war und das ist der Sinn des demokratischen Sozialismus.

    Die Sozialdemokratie lehnt den Weg des Kommunismus ab: Die Kommunisten unterdrücken die Freiheit radikal. Sie vergewaltigen die Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht der Persönlichkeit und der Völker. Gegen ihren Machtapparat stellen sich heute zunehmend auch die Menschen der kommunistisch regierten Länder selber. Auch dort vollziehen sich Wandlungen. Auch dort wächst das Freiheitsstreben, das keine Herrschaft auf die Dauer völlig niederhalten kann. Aber die kommunistischen Machthaber kämpfen um ihre Selbstbehauptung. Auf dem Rücken ihrer Völker errichten sie eine wirtschaftliche und militärische Macht, die zur wachsenden Bedrohung der Freiheit wird.

    Darum ist die Hoffnung der Welt eine Ordnung, die auf den Grundwerten des demokratischen Sozialismus aufbaut, der eine menschenwürdige Gesellschaft, frei von Not und Furcht, frei von Krieg und Unterdrückung schaffen will, in Gemeinschaft mit allen, die guten Willens sind.

    In Korland versammeln sich Frauen und Männer in der Sozialdemokratischen Partei Korlands die sich zu diesen Zielen sowie zu den Grundwerten des demokratischen Sozialismus bekennen.

  • Ach Genosse, ich denke ruhig dass wir das "Sie" weg lassen können. Wir glauben ohnehin an die gleichen Ideale und kämpfen auch für die selbigen. Wir Sozialisten hier im Kaiserthum sind nach der Zeit des Großen Raunzens und der Herrschaft des Henkerregimes immer noch geschwächt.

  • Das ist mir lieb so. Das ist sehr schade, aber ich bin überzeugt, unsere Idee wird nach und nach auf fruchtbaren Boden fallen. Bei uns in Korland - wo die Sozialdemokratie immer schon einen schweren Stand hatte - haben wir allerdings noch die sehr problematische Situation, daß die VF ja nicht nur über bestens organisierte Strukturen verfügt, sondern auch noch aus der Staatskasse subventioniert wird und als einzige Organisation über gut ausgebaute Propagandamittel verfügt. Der nächste Wahlkampf wird sehr schwer, aber vielleicht könntet Ihr uns mit Euern Erfahrungen unterstützen. Wir haben natürlich nach all den Jahren wenig praktische Erfahrungen, wie man einen Wahlkampf führt und auch wenig Leute und Mittel. Die letzten Jahre wurde das Regeime immer repressiver und auch die wirtschaftliche Lage immer schlechter.

  • Das freut mich, Genosse Hammersbreucher. Die internationale Solidarität von uns Sozialisten ist ein tragendes Prinzip und ich bin mir sicher, wird werden uns dann auch mal revanchieren können.


    Bei uns gilt es die VF zu bekämpfen, die absolute Mehrheit qua Staatsvertrag muß gebrochen werden, wir wollen eine Demonstration dagegen organisieren. Nur mit freien Wahlen kann sich etwas ändern. Wir wollen dazu zur Not auch die Gerichte anrufen. Die VF hat lange genug Unheil angerichtet und unseren Menschen die Freiheit und jeden Fortschritt vorenthalten. Und auch an den Händen derjenigen, die der VF erlauben, einfach so weiterzumachen, klebt Blut. Der militärfaschistische Mörder Quitzleben darf nicht Präsident bleiben. Die Herren glauben einfach, sie können unser Land ruinieren und Menschen foltern und dann lassen sie sich mit Hilfe Nordhanars einfach and er Macht halten.


    Die Verbrechen dieser Bande müssen öffentlich werden, so öffentlich, daß der Kaiser und alle Leute, die im Bund Verantwortung tragen nicht mehr auf die Straße trauen können und nicht ins Ausland.

  • Dann sind wir in gewisser Weise in einer ähnlichen Situation. Wobei die Mehrheit das alte Programm wohl übernehmen und anpassen will, wo Bedarf ist. Theoretisch haben wir in Korland eine gute Basis, die meisten Werktätigen sind in der Industrie und haben jetzt Angst. Korland ist längst kein Agrarstaat mehr wie alle Welt glaubt. Man glaubt das bloß, weil, naja weil das Regime so wollte und weil wir vor der Krise vor allem Agrarprodukte exportierten. Die Bauern machen nur noch ein Viertel aus. Aber das ist die Theorie, ob auch das Bewußtsein da ist. 80 Jahre nichts als reaktionäre Propaganda.


    Wie ist das bei Euch, meinst Du die einfachen Leute sind noch Monarchisten?