Im Vorübergehen

  • Erkennt den Mann nicht:


    Finden Sie wirklich? Da bekommt man jahrelang erzählt, was Korland nicht für ein tolles Land sei und am Ende haben wir nicht mal genug zu essen gehabt. Ich meine unter Schündler ging es ja noch, da war ich auch noch in der Jungfront, na ja mehr oder weniger freiwillig, Zeltlager und so war schon nicht schlecht, aber was dann alles passiert ist... Jetzt werde ich mir mal das Reich ansehen, ich habe gehört dort lacht man sich über uns kaputt, so arm sind wir gegen die.

  • Wieso Besatzer, ich denke, wir sind beigetreten?


    Naja, mich interessiert das halt mal, wie es dort so aussieht, das soll ja alles dort sehr futuristisch sein. Alles ganz hoch technisiert und automatisiert, wie aus einem Zukunftsroman.


    Aber ist das nicht das beste, was uns passieren konnte, lange hätten wir doch wirklich nicht mehr durchgehalten.

  • Denkt, den kenne ich doch von irgendwo.


    Kann es sein, daß wir uns von irgendwo kennen, mein Herr? Aber ich kann mich auch irren, ich arbeite nämlich ein einer Photohandlung und vergrößere jeden Tag hunderte Gesichter, ich erinnere mich an einzelne immer schlechter.


    Gezwungen? Dvon habe ich nichts gelesen oder gehört. Ja hätte dann die Landwehr nicht kämpfen und wir das Ausland zu Hilfe rufen müssen?


    Ja, also ich denke doch schon. Oder hatten wir noch etwas anderes als Hunger und Gewalt? Ist das Kaiserreich Nord-Ostantica nicht eine Föderation oder wie das heißt, also ich meine die einzelnen Länder bleiben eigenständig? Aber ich kenne mich da mit allem auch gar nicht so aus.

  • Kann es sein, daß wir uns von irgendwo kennen, mein Herr

    Nun, ich war bis zur Besatzung Innen und Wirtschaftsminister, Fräulein

    Ja hätte dann die Landwehr nicht kämpfen und wir das Ausland zu Hilfe rufen müssen?

    Ich weiß leider auch nicht, weshalb das nicht geschah..


    Ist das Kaiserreich Nord-Ostantica nicht eine Föderation oder

    Sie meinen das Kaiserthum Nordhanar, nehme ich an?

    Erwin Ritter von Ostfeld

    Minister für Inneres und Wirtschaft a.D

    Hauptmann d.R. der Landwehr

  • Daß ihr jetzt ausgerechnet einer dieser Verbrecher über den Weg laufen muß...


    Dann kenne ich Sie nur von Photographien aus der Zeitung, Herr von Ostfeld, und vielleicht aus der Wochenschau, oder aus dem Fernsehen, aber wir haben zuhause keinen Apparat.


    Wenn Sie es schon nicht wissen, dann kann ich als Normalbürgerin es ja erst recht nicht verstehen, nicht wahr!?


    Ja, ich meine das Kaiserthum, das Sie vorhin unsere Besatzer genannt haben. Das ist doch eine Föderation!?

  • Und worin liegt jetzt für uns der Schade, außer, daß Sie nicht mehr Minister sind, Herr von Ostfeld? Werden die uns etwas wegnehmen, oder gegen unsere Interessen tun? Was wird uns geschehen? Aber auch deshalb will ich ja mal hin um Land und Leute kennen zu lernen, jedenfalls so weit mein Urlaub und mein Geld reichen - also vermutlich nicht sehr weit. Ich meine, eingesperrt, das waren wir ja jetzt lange genug.


    Spricht es mitunter mit einem ganz leichten Anflug von Ironie, freilich die Umgangsformen wahrend?

  • Eingesperrt eben, weil man keine Ausreisegenehmigung bzw. Dokumente bekam, wegen fehlender Reisedevisen, oder weil die anderen keine Visa erteilten oder was auch immer und was da noch so vorgeschoben wurde. Leisten konnte man sich das Reisen ja sowieso nicht wirklich als Normalmensch.


    Zu diesem "Wir" gehörte ich auch vorher nicht, eine kleine Elite, zu der auch Sie gehörten, hatte das Sagen und wer nicht so tat, wie er sollte, wurde schikaniert oder eingesperrt oder niedergeknüppelt. Was haben wir Normalkoren da eigentlich verloren?

  • Das mag richtig sein. Aber man könnte natürlich auch die Frage stellen, wo der große Unterschied zwischen einem auf Lebenszeit gewählten Präsidenten und einem Kaiser ist, oder was man bei einer Einheitsliste eigentlich auswählen kann, wenn man überkritisch wäre.


    Derweil nähern sich zwei junge Touristen, der Kleidung und Sprache nach zu Urteilen Nordhanarer, der Szenerie. Wenn auch ihr Gespräch aus der noch bestehenden Entfernung noch im einzelnen nicht zu erfassen ist, doch nicht zu übersehen, daß sie - unterwegs mit einer ziemlich teurern Kamera mit dickem Varioobjektiv - denen man deutlich ihre Belustigung ansieht Offenbar so eine Art Untergangstouristen, die jetzt noch einmal alles in seiner ärmlichen Rückständigkeit begaffen und ablinsen wollen, bevor sich alles an die Verhältnisse im Bund angleicht - auch auf die Propaganda hat man es abgesehen. Dann plötzlich ruft einer in einer Mischung aus Schriftsprache und Dialekt


    "He, Ihr, könnts amal den Degenberggruß machen, mir zoaln eich a woas! Des kennt's ihrs doch noch. Mir ham a Video des is sowas mit laafenden Büderln, aber des gübts bestühmt noch ned bei Euch. Wann's gut seits mit Skandiern kriagt's a guads Stickerl Goid!"

  • Dreht sich zu den Männern um und poltert im Dialekt

    Was? Geht zurück wo Ihr hergekommen seid, Besatzer.


    Früher hät man Euch dafür vor ein Gericht geschleift!

    Erwin Ritter von Ostfeld

    Minister für Inneres und Wirtschaft a.D

    Hauptmann d.R. der Landwehr

  • Die beiden hören etwas, das wie "Wat? Cheit man toröck wo ju herkomen jewese, Besatter! Fröher harr man ju umdat vör een Jericht jesleepe! Das verstehen die beiden nur teilweise


    Woos ies? Ies dees a Uhmgang mit die neien Höörn, die wo jeezd anschaffen? Da gäht man ien sääner nääen Kolonie spazürn, wo mit vül Goid werdn renoviern miassen, und da behaandeln äänen die Äängeborenen wie den letzten Dreeck, Franz-Ferdinand! Mir hoam's doch nur guat gmaont, do häts ös (ihr) a guads Stickal Goid verdiena kenna. Woar des säänerzäät vielliehct verboten, den Führer zu griaßen. Und des ies doch so a Oart Fräälichtmuseum und ihr sääds die Statiesten!


    Anneliese ist sichtlich irritiert von dem Benehmen, das erste mal im Leben kam sie sich vor wie eine Negerin auf einer Völkerschau im Zoo oder vielmehr auf einer Safari, denn diese Fremden waren ja nach Korland gekommen. Obschon, eigentlich benahmen sich ja eher die "Gäste" wie die Wilden. Außerdem konnten diese Seyffensteiner wie es schien, nicht mal richtig deutsch nach der Schrift reden - man verstand sie nur mit der größten Mühe. Die werden doch nicht alle so sein! Aber daß sie dieses Geld gut gebrauchen könnte, das war auch wieder wahr. Wäre dieser Ostfeld nicht anwesend, hätte sie vielleicht gefragt, was die beiden zahlen wollen. An irgendwelchen Aufmärschen hatte sie in ihrer Kindheit und Jugend so oft teilgenommen, daß es auf dieses eine Mal mehr oder weniger den Degenberg-Gruß zu entrichten, auch nicht groß ankommen würde.

  • Freilichtmuseum, hah? Dieser Umgang mit einem Offizier ist beschämend, haben Sie überhaupt gedient?

    Wenigstens verschleiern Sie nicht, dass Ihr Land die Besatzer sind

    Erwin Ritter von Ostfeld

    Minister für Inneres und Wirtschaft a.D

    Hauptmann d.R. der Landwehr

  • Einer der beiden.


    Na gschauts enk doch um, die Autos, die Gwänder die Technik, Gseetze. Kaa, Weltnetz, ned amoi rausitelephoniern komma ohne dees Frailain vom Amt. Des konnst ois abrääßen und nääbaun!


    Gdient homma scho! Ja, wanns aa Räächsfäänd sand, do kennts ja goar kaan Offizier mehr säin, do ies ja boid da Boosten weg...

  • Weltnetz? Das braucht doch auch keiner, oder? Die Nachrichten kriegen Sie durch die Zeitung, das Radio oder die Wochenschau

    Des konnst ois abrääßen und nääbaun!

    Neubauen? Sonst noch Wünsche? Baut Ihr erstmal euer Ländchen wieder auf und lernt gefälligst Imperianisch!

    do kennts ja goar kaan Offizier mehr säin, do ies ja boid da Boosten weg...

    Ich habe meinem Vaterland treu als Hauptmann in der Landwehr gedient, und Sie? Was waren Sie? Putschisten bei irgendeinem der ganzen Putschte letztes Jahr?

    Erwin Ritter von Ostfeld

    Minister für Inneres und Wirtschaft a.D

    Hauptmann d.R. der Landwehr