• Ich will keine Simulationen abwürgen, aber sollte die Regierung nicht bereits die ganze Rechtsordnung außer Kraft gesetzt haben, dürfte es - jedenfalls nach der bsherigen Ausgestaltung - nicht so ohne weiteres möglich sein, einfach mal so einen Uhrmacherladen aufzumachen (Durch eine Ausländerin? Hat die eigentlich einen korischen Meisterbrief?).


    In Korland hat es nach der alten Ausgestaltung keine Gewerbefreiheit, sondern autoritären Korporatismus und die Berufsstände sind ähnlich wie die mittelalterlichen Zünfte organisiert, dazu kommt das Ständewirtschaftsgesetz, und das Untersagungsgesetz nach dem Vorbild des österreichischen Ständestaates, das nur dann Neue Betriebe zuläßt, wenn es ungedeckten Bedarf gibt. Will heißen, das ist alles stramm reglementiert, auch die Preise für Dienstleistungen und Produkte sind vielfach nicht frei festzulegen. Was die Frage angeht, ob es in Korland signifikant weibliche Uhrmachergesellen gibt, bin ich mir unsicher, da einerseits technischer Beruf andererseits aber filigrane Hände recht nützlich. (Zumindest in der Industrie wird man daher wohl junge Frauen beschäftigen, aber ich meine das waren eher Anlernlinge.) Ob Kettenbildung im Handwerk bis jetzt zugelassen wird, wäre die nächste Frage.


    Das wird zwar sicher nicht mehr lange relevant sein, dann wird es wohlmöglich eine chaotische Phase geben, in der jeder macht, was er will, aber im Moment gilt es vermutlich noch (jednefalls sollte man es vielleicht mal festlegen), auch wenn die Gesetze und die alte Ausgestaltung momentan nirgends nachzulesen sind, bzw. auch noch nicht ganz klar ist, was übernommen werden soll.

  • Wie soll es jetzt eigentlich weitergehen? Strenggenommen, ist der Beitrittsvertrag nach der korischen Verfassung wohl verfassungswidrig, so weit man sich auf die bezieht, die zuletzt real gültig wahr, weil das Vorgehen die Volkssouveränität untergräbt.


    Art. 11 II
    "Alle Staatsgewalt geht im Namen Gottes des Allmächtigen vom Volke aus."



    Offiziell hatte Korland ja den liberalen Verfassungsstaat nie beseitigt - auch wenn sprachlich schon darauf hingearbeitet wurde. Statt der reinen Volkssouveränität eine, die letztlich auf göttlicher Allmacht beruht. Ähnlöiches auch beim Textvergleich der Grundrechte vor und nach der Widerherstellung des Ständestaates. Das ist ziemlich parallel zur Maiverfassung des Dollfuß-Staates, auch da wurde die Kelsen-Verfassung mit Grundrechten, Verfassungsgerichtsbarkeit usw. nie explizit beseitigt.


    Nehmen wir mal hypothetisch an, einer klagt, dann würde das Gericht - wenn es sich dem neuen Staat verpflichtet fühlt - die Klage einfach abweisen, weil jetzt eben die Bundesverfassung gilt - und die sieht logischerweise keinen Schutz vorm "beigetretenwerden" vor. Als Mittelstellung könnte das Gericht auch feststellen, daß der Beitritt verfassungswidrig war, aber das jetzt eben nicht mehr durchgesetzt werden kann, weil Bundesrecht vorgeht. Zu guter letzt könnte das Gericht den Beitritt für rechtswidrig erklären und das Bundesrecht für unanwendbar erklären, weil der Beitritt illegal war. Natürlich könnte das Gericht auch explizit erklären, daß der Beitritt durch die "Ermächtigungssitzung" rechtsgültig war. (Es wurde ja mal beschlossen, daß die Regierung Gesetze ohne Landkammer machen kann - das wurde allerdings nicht als Gesetz ausformuliert, geschweige denn im Gesetzblatt veröffentlicht.) Das war einfach eine mit einigen dünnen Worten eingeleitete Abstimmung.

    Auf der anderen Seite kann man eigentlich auch das Regime in Korland nicht so weiterlaufen lassen, wenn man die Bundesverfassung ernst nimmt, spätestens wenn jemand vor dem Bundesgericht auf seine subjektiven Rechte klagt - zumindest scheint mir das auf den ersten Blick so.


    Generell ist der Beitrittsvertrag sehr unbestimmt - es fragt sich, ob der Bund das so rechtlich überhaupt zusichern kann, denn der Vertrag setzt Verfassungsänderungen voraus.


    Die Frage ist auch, was die Weitergeltung von korischem Recht angeht. Korland kennt die Todesstrafe, Homosexualität ist strafbar. Dazu kommt, daß Korland anders als der Bund nicht marktwirtschaftlich organisiert ist. Das greift natürlich in die Freizügikeit ein und damit könnte wohl ein Seyffensteiner usw. dagegen klagen, daß er sich in Korland nicht einfach ansiedeln kann. Korland gewährt Asyl lediglich als Kannvorschrift (wobei damit kein bundesdeutsches Ermessen im Sinne eines bedingten Rechtsanspruchs gemeint ist, sondern vielmehr heißt es "wenn es poliisch opportun ist") und mit allerlei Einschränkungen wie Asylwürdigkeit etc. pp. Letzten Endes steht es halt drin, weil es sich gut anhört, denn der Asylgewährende sieht sich ja als Hafen/Insel des Rechts. Auch sind die Frauen nicht wirklich gleichberechtigt - diese Vorschrift ist sogar erst in die neue ständische Verfassung aufgenommen worden, nur um sie sogleich "soweit nicht durch ein Gesetz anderes bestimmt ist." zu ergänzen.


    Die Führungsrolle der VF dürfte mit der Bundesverfasung auch nocht kompatibel sein - zumal das Parlament dann faktisch eine Dikatatur decken müßte. Was aber mit den Repräsentanten des alten Systems an deren Fingern blut klebt? Da müßte doch realistischerweise bald die Forderung laut werden, daß das strafrechtlich verfolgt wird - in Korland gleichermaßen wie in den anderen Ländern.


    Wobei die generelle Frage ist, ob man den alten Rollenspielstil Korlands, in dem jede denkbare Meinung irgendwie mit Neben-IDs und Volks-IDs etc. repräsentiert und mitsimuliert oder zumindest angenommen wurde beibehalten will oder auf demokratischen Stil umstellen, bei dem es nur gibt, was tatsächlich jemand simuliert.


    Bei einem realistischen Stil müßte es doch mindestens folgende Richtungen geben:


    Hardliner für die Quitzleben und Co. Verräter darstellen und die sich mit Händen und Füßen wehren


    Überläufer


    Unpolitische Leute, die relativ neutral den Neuerungen gegenüberstehen


    Leute, die eigentlich nicht sehr politisch sind, aber bei denen plötzlich die Arbeit weg ist, oder die sich Ärgern, daß plötzlich Änderungen im gewohnten Leebnsablauf eintreten.


    Starke Befürworter des Neuen.


    Leute, die zwar eigentlich dem Neuen aufgeschlossen sind, aber die nicht mit umgehen können, plötzlich nicht mehr in einer Gesellschaft zu leben, die gesellschaftlich um 1940 stehengeblieben ist.



    Ein ganz anderes Themenfald wären noch die Kosten des Anschlusses, das Pro-Kopf-Einkommen im Bund dürfte ja locker das fünffache, wenn nicht zehnfache Betrachten. Die korische Wirtschaft ist rückständig, nicht marktwirtschaftlich organisiert und vermutlich nicht konkurrenzfähig gegen die Übermacht aus dem Bund, die Infrastruktur hinter dem Mond. Wahrscheinlich liegen die korischen Löhne ordentlich verdienender Menschen auf Sozialhilfeniveau (Notstandshilfe nach östeerreichischer Bezeichnung) im Bund. Damit entsteht wohl Massenarbeitslosigkeit und Massenauswanderung und die, die noch da sind, werden immer radikaler wählen. Es sei denn natürlich, man nimmt Unsummen in die Hand, sperrt die Leute in einer Sonderwirtschaftszone ein o.ä aus der sie nicht in den Bund auswandern dürfen bis eine Angleichung erfolgt ist und in der auch andere sozialstandandards gelten. (Letzteres dürfte aber eventuell nur schwer mit der Bundesverfassung kompatibel sein.)


    Wobei man natürlich auch einfach da einiges glattbügeln könnte und Korland einfach als norddeutsch-protestantische Ergänzung betrachtet, statt als ein Armenhaus in dem die meisten Leute einen Computer oder Smartphone noch nie in echt gesehen haben, geschweige denn bedienen können. Mir ist das relativ egal, ich frage mich allerdings welcher Linie man eher folgen soll.

  • Ich habe den ganzen Text jetzt nur mal überflogen, und werde nicht sofort zu einer entsprechenden Antwort kommen, das braucht Zeit.

    Allerdings sehe ich die Einwände, und man kann vortrefflichst darüber streiten welcher Kurs jetzt eingeschlagen wurde, alleine werde ich das allerdings nicht entscheiden und bitte daher die anderen Mitspieler (sofern Korland sie auch tatsächlich tangiert) um entsprechende Rückmeldungen - damit da jetzt ein Kurs festgelegt wurde.


    Der Plan den ich mir ausgearbeitet habe ist soweit mal abgearbeitet.

  • Die Zeitfrage ist bei mir leider unsicher.


    Meine Bermerkungen waren weniger als Einwände gedacht. Daß sie simoff sind hat auch mit den Grund, daß ich noch keine geeignete ID dafür habe, in einem Land ohne Internet (für die breite Bevölkerung) wird ein Photograph realistischerweise nichts über ausländisches Verfassungsrecht zu sagen haben, weil ihm die nötigen Informationen bestenfalls nach Aufsuchen einer Universitätsbibliothek zugänglich wären. Wobei die Bücher dazu momentan vermutlich gerade heiß begehrt sind.


    Im Grunde habe ich mir einfach mal die seitherigen Gesetze von Korland und das Recht des Bundes vorgenommen, um mal abzugleichen, was da so drinsteht - vor allem in der Bundesverfassung.. Das, was mir aufgefallen ist habe ich dann ohne große Ordnung niedergeschrieben. (Ergänzend: Die allgemeine Wehrpflicht - soweit Bürger nicht nur die männlichen meint - ab 16 Jahren dürfte in Korland auch in weiten Volksteilen äußerst schlecht ankommen. Die Verfassungswidrigkeit der evangelischen Staatskirche wohl auch. Gibt es auch gleichgeschlechtliche "Ehe"?) Natürlich stellte sich dann auch die Frage, ob sich da Punkte gibt, an denen man Simulationsstränge aufhängen kann bzw. war das mit ein Grund die Gesetze zu studieren.


    Daher zielt mein Beitrag im Kern darauf ab, ob diese Probleme für die Simulation urbar gemacht werden sollen, oder ob man das lieber für eine flüssige Simulation großflächig ausblenden sollte. (Fünfe gerade sein lassen, wie man so sagt.) Generell versuche ich herauszufinden, was für Korland von der Administration perspektivisch eigentlich gewollt ist bzw. welche Rolle Korland im Gesamtkontext mittelfristig spielen soll. Eher Dauerkrisenherd oder ein sich stabilisierendes loyales und bald auch prosperierendes Reichsland mit nordostdeutsch-protestantischem Kolorit?


    Eine weitere Frage wäre, was von den alten Gesetzen eigentlich (als soziales irgendwann mal gültiges Faktum) existent bleiben soll. Bis jetzt sind sie ja nicht allgemein verfügbar gemacht, das könnte man dahingehend interpretieren, daß sie jedenfalls nicht generell gelten sollen. Wobei auch das jetzt keine Kritik ist, mein Problem ist halt, daß ich die alte Ausgestaltung aus dem Effeff kenne, aber natürlich nicht mehr alles so gelten muss bzw. vielleicht auch gar nicht mehr soll.


    Leider ist dieser Beitrag jetzt auch weitschweifiger geraten, als er eigentlich sollte...


    Im alten Korland war es ja - wer es noch kennt - mehr oder weniger usus, die Situation auszuloten und auf Simulationsmöglichkeiten abzuklopfen und den Rahmen abzustecken. Letztlich ist da vieles auch eine Gewöhnungssache.

  • Übrigens, die Satzung der VF:



  • Ich bitte zu beachten, dass von der "alten" Bundesverfassung lediglich der Teil mit den Grundrechten noch Geltung hat. Wie im tatsächlichen Österreich bilden die Normen mehrerer Gesetze und Vorschriften die Verfassung. Nur damit alle hier auf der gleichen Grundlage diskutieren. ;)

    PRÄSIDENT DER KAISERLICHEN JUSTIZ

    Seyffensteinischer Geheimer Hochrat

    Ehrenpräses des Nordhanarischen Fussballbundes

    Präsident des Volksbundes a.D.

    Krongouverneur a.D.

    Präsident und Vorsitzender des 2. Senats des Verfassungsgerichts a. D.

  • Danke für den Hinweis.


    Die Marktwirtschaft wird meines Erachtens zu Massenarbeitslosigkeit führen (kann ja auch spannend sein - das soll jetzt keine Ablehnung ausdrücken), wenn man es nicht sehr behutsam angeht. Durch die dann kommenden Selbstbedienungsgeschäfte fallen massenhaft Stellen im Handel weg, alle Industrien, die nicht weltmarktfähig sind, wie Automobilindustrie, Maschinenbau, Photoindustrie, Unterhaltungselektronik, Fernmeldetechnik, Apparatebau (auf dem Binnenmarkt auch durch Gebrauchtwaren aus dem Bund/Ausland) werden wohl großteils binnen kürzester Zeit konkurs gehen bzw. die Produktion einstellen oder so automatisiert/ausgeünnt, daß massenhaft Arbeitsplätze wegfallen. Auch die ineffizienteren kleineren Betriebe generell, die gerade noch so über die Runden kamen, dürften wohl bald weg sein, jedenfalls, wenn man nicht mal zuerst eine interne Marktwirtschaft fährt, bei der Konkurrenzdruck von außen erst nach und nach kommt.

    Auch in den Jahren der Demokratie - ob man die jetzt in der Geschichte lassen will oder nicht - wurde der Markt auch nie wirklich geöffnet. Selbst der Landwirtschaft geht es gerade schlecht.


    Jedenfalls scheint mir das realistisch im Hinblick auf den Ostblock - in Korland mag die Wirtschaft nicht ähnlich vergammelt aussehen, dank Devisenbewirtschaftung und Marktabschottung hat man aber immer weitgehend nur den eigenen Markt versorgt und Devisenerwirtschaftet. (Ausnahmen gab und gibt es natürlich.)

  • Und falls es wen interessiert - den Text der in der Photohandlung im Dialekt geschrieben wurde, würde sich bei mir so anhören:


    "Schauns Herr Blaudschun, des erste wos Sie brauchn, des is doch a digitale Fotoausrüstung. De is jetzt a goa ned mehr teia. Jed's Büdl bezoiht die Kamera ob, ned so wia jetzt wo's imma Füm und Chemikalien zoin miassn. Wos do spoan, do spoan's jo mehr ois wia's vadienan. An Drucker brauchns natialich ah und da Rest geht ins Großlabor.


    Und wenns deis jetzt no ned kennan, dann wü i Erna wos aundares zagn. I vatret a Fuim und Fotopapier. Schauns, des sand Foabn und ned des verblaube Grean und des fahle Göb und des schlecht zeichnete Rot von ihrnare Füm und Papier! Wos sie bis jetzt ghobt hobn, des is doch aufm Staund von die fuchzga Joah, waunn überhaupt! Und des Photopapier, des is a vü bülliga und schnölla z' vaoabeitn. Des is kunststoffkaschiert und a Lichtschutzbadal brauchns a neama. Und schärfer und empfindlicha san die neign Füm ah no. Überhaupt, die Entwicklungszeitn san kiaza, des spoat erna a Muadsgöd."