Volksrepublik Tauroggen

Allgemeines


Die Volksrepublik Tauroggen ist ein an der Nordseeküste gelegenes Land in Nordostadrastea, das im Süden an Dreibürgen grenzt. Es herrscht ein maritim geprägtes kühlgemäßigtes Klima mit kalten Wintern und milden Sommern vor. Tauroggen hat ca. 30 Millionen Einwohner, von denen der Großteil an der Küste oder im Rehrgebiet lebt, abseits dieser Regionen ist das Land vergleichsweise dünn besiedelt.


Politik


Politische Entscheidungen werden in Tauroggen nach darusischem Vorbild in Räten getroffen, die den Wählern mit imperativem Mandat verpflichtet sind. Das oberste politische Gremium im Land ist der Rätekongress, in dem die KPT seit der Revolution eine Mehrheit von 60-70% stellt. Sie ist die mit Abstand mitgliederstärkste Partei. Ihre Strukturen und Vorfeldorganisationen durchdringen die ganze Gesellschaft. Kultur- und Freizeitangebote der Partei und des Jugendverbandes sind vor allem auf dem Lande häufig alternativlos. Die KPT dominiert die tauroggische Politik, ein Monopol hat sie jedoch nicht. In Teilen des Landes ist die Demokratische Bauernpartei (DBP) stark verankert und in den Großstädten vertritt die Sozialliberale Partei Tauroggen (SLPT) Teile der urbanen Mittelschicht. Die SLPT wird in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem mit im Zuge der Digitalisierung entstandenen Kleinunternehmen in Verbindung gebracht, für die sich in Astor und Albernia der Ausdruck "Start-up" eingebürgert hat. Abseits der etablierten Politik existiert immer noch eine Minderheit von Monarchisten, die aber über keinen nennenswerten Einfluss verfügt und in sozialen Medien ständig Zielscheibe des Spotts ist. Für besondere Erheiterung sorgt immer wieder die Behauptung, dass die Verfassung der Volksrepublik ungültig ist und das Königreich nach wie vor existiert.


Wirtschaft


Die Wirtschaft Tauroggens ist historisch von einem starken Stadt-Land-Gefälle gekennzeichnet. Die großen Küstenstädte wie z.B. die Hauptstadt Haff am Pregel oder Karlshaven waren seit dem Mittelalter die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentren des Landes. Das Landesinnere mit nur wenigen urbanen Zentren war demgegenüber immer unterentwickelt. Das änderte sich erst teilweise mit der Industrialisierung als das Rehrgebiet zum Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie wurde. Bis zur Revolution von 2007 blieben die Landesteile jenseits von Küste und Rehrgebiet aber nach wie vor stark unterentwickelt, besonders der Fingorn und die Hochwald-Region waren geradezu berüchtigt für ihre Rückständigkeit.. Die KPT sieht die Angleichung der Lebensverhältnisse als ihre wichtigste Aufgabe an. Seit 2008 findet ein massiver Ausbau der Infrastruktur auf dem Lande statt mit neuen Bahnstrecken und regelmäßigen Busverbindungen, parallel dazu wurde die Digitalisierung entschieden vorangetrieben. Die meisten Haushalte haben mittlerweile Breitbandzugang zum Weltnetz und der im ganzen Lande ausgebaute Mobilfunk hat dazu geführt, dass das Smartphone das unterm alten Fritz noch verbreitete grüne Wählscheibentelefon völlig verdrängt hat. Seit einigen Jahren spielt auch der Tourismus eine immer größere Rolle im Lande, sowohl in den Küstenregionen als auch im Fingorn und im Hochwald..


Ähnlich wie bei den politischen Umwälzungen orientierte man sich auch ökonomisch an den darusischen Erfahrungen. Das Großkapital in den Städten wurde vergesellschaftet und das Junkertum auf dem Land, das abgesehen von Geschichte und kulturellem Habitus im Grunde als agrarindustrielles Kapital auftrat, wurde zerschlagen, wovon besonders das kleine und mittlere Bauerntum profitierte. Die Einbindung dieser Schichten in den revolutionären Prozess unter dem Schlagwort der "antimonopolitischen Strategie" folgt der Überzeugung, dass der Sozialismus durch ein breites Klassenbündnis sowohl nach innen gegen die Konterrevolution als auch nach außen gegenüber dem dreibürgischen Imperialismus abgesichert werden muss.


Geschichte


In der Antike befand sich das Gebiet des heutigen Tauroggen an der Peripherie der zivilisierten Welt. Bis an die Nordseeküste sind die Remer nie vorgestoßen. Eine Vielzahl von Stämmen, von den Remern unter dem Begriff Turagi zusammengefasst, bewohnte die Küstenregionen und die Wälder und Moore im Landesinneren. Nur in Ausnahmesituationen wie der Abwehr eines äußeren Feindes unterstellten sich die Stämme der übergeordneten Autorität eines Kriegshäuptlings, der auf einem Thing, einer Versammlung der Stämme, gewählt wurde. Bis im Hochmittelalter war der polytheistische Glaube an die Götter Odin, Thor, Loki, Freya und andere weit verbreitet, auch durch die fortgesetzten Missions- und Siedlungsbewegungen aus dem Süden, unterstützt durch christliche Ritterorden dauerte die Christianisierung des Adels bis ungefähr ins 14. Jahrhundert an. Im einfachen Volk dürften heidnische Rituale noch deutlich länger überdauert haben.


Aus den seit der Antike überlieferten Things entwickelten sich gegen Ende des Mittelalters stärker institutionalisierte Adelsversammlungen und aus den Kriegshäuptlingen wurden dauerhaft herrschende gewählte Könige, wobei diese lediglich nominelle Oberherren waren, deren Rolle sich weitgehend darauf beschränkte, Streitigkeit innerhalb des Adels zu schlichten. Keinem Adelsgeschlecht gelang es, die Königswürde dauerhaft für sich zu beanspruchen bis 1714 Heinrich I. aus dem Geschlecht der Brandenberger das Königreich Tauroggen in der Form begründete wie es bis 2007 bestand. Gestützt auf eine effizient arbeitende Verwaltung und mit Zugeständnissen an das bereits etablierte Bürgertum in den großen Küstenstädten gelingt es der Monarchie, weitgehend unbeschadet durch die Ära der bürgerlichen Revolutionen zu kommen. Nach Unruhen in Haff am Pregel tritt 1832 die erste liberale Verfassung in Kraft, die Religionsfreiheit und eine begrenzte Meinungs- und Pressefreiheit garantiert, jedoch den allergrößten Teil des Volkes weiterhin von jeder politischen Mitwirkung ausschließt. Erst im Zuge der Industrialisierung traten die Volksmassen erstmals auf die politische Bühne in Form der Gewerkschaften und später der Sozialdemokratischen Partei Tauroggen (SPT).


Anfang der 1910er formierte sich eine von der SPT geführte Massenbewegung zur Einführung des Achtstundentages. Als im Februar 1914 bei einer Großdemonstration in Damund die Armee in die Menge schoss entwickelten sich revolutionäre Unruhen, die in der Ausrufung der Republik Tauroggen gipfelten. Der König verließ das Land und eine verfassungsgebende Versammlung nahm die Arbeit auf. Da es der SPT an einem revolutionären Programm mangelte und das Führungspersonal vor einer völligen Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse zurückschreckte blieb es bei einer bürgerlichen Republik geführt durch wechselnde Koalitionen aus Liberalen, Sozialdemokraten und gemäßigten Konservativen. Die Probleme, die überhaupt erst zur Gründung der Republik führten, blieben jedoch ungelöst. Großkapital und Junkertum blieben in einflussreichen Positionen, das Stadt-Land-Gefälle verringerte sich nicht und selbst der Achtstundentag wurde nur auf dem Papier durchgesetzt. Eine weitere Radikalisierung nach links fand jedoch nicht statt, dazu war die erst 1921 gegründete Kommunistische Partei Tauroggen noch zu schwach verankert. Im Juli 1923 ergriffen reaktionäre Militärs die Chance und beseitigten die unpopuläre Republik. Niemand eilte zu ihrer Rettung, die herrschende Klasse war froh über ihren Sturz und die Arbeiter betrachteten die Republik Tauroggen als nicht verteidigenswert. Kurz darauf fand eine Restauration der Brandenberger-Dynastie unter Friedrich I. statt. Bis zur Revolution von 2007 sollte sich das System des begrenzten Konstitutionalismus nicht mehr verändern.


In den folgenden Jahrzehnten stabilisierte sich die Monarchie durch die weitgehende Integration aller wesentlichen politischen Kräfte. Die Sozialdemokraten erwiesen sich mit der Zeit als immer staatstragender und königstreuer, was zu ihrem langsamen Niedergang führte. Radikalere Arbeiter entfremdeten sich zusehends von der traditionellen Arbeiterpartei und selbst eher gemäßigte Arbeiter versprachen sich immer weniger von einer Stimme für die SPT. Davon profitierte ausgerechnet die KPT, die seit Jahrzehnten ein Schattendasein in der Illegalität führte, mit Hilfe von legalen Vorfeldorganisationen im Laufe der 1970er jedoch zunehmend an Einfluss gewann, besonders in Haff am Pregel und im Rehrgebiet. Die zunehmende Popularität der Kommunisten führte in der Regierung und im Königshaus 1984 zu der folgenschweren Fehleinschätzung, man könne die KPT unschädlich machen, indem man sie zunächst legalisiere und dann schrittweise integriere, so wie zuvor bei den inzwischen bedeutungslos gewordenen Sozialdemokraten. In den 90er Jahren waren KPT-Mehrheiten im Rehrgebiet keine Seltenheit mehr und ab 2002 stellte die KPT auch die Mehrheit im Stadtparlament von Haff am Pregel.


Anders als die Sozialdemokraten vor beinahe 100 Jahren war die KPT nicht unvorbereitet als sich im Zuge der schweren Wirtschaftskrise von 2007 revolutionäre Unruhen ereigneten. Mit einem klaren marxistischen Programm und einer entschlossenen Führung gelang es ihr, die Furcht vor einer drohenden Verelendung, die Rückständigkeit des Landes und die allgemeine Unzufriedenheit, die sich zunächst nur gegen einzelne unpopuläre Minister und die königliche Regierung richtete, auf das Ziel einer revolutionären Überwindung der Monarchie und des Kapitalismus zu richten. Wäre die Regierung oder Friedrich III. selbst in dieser Situation klug genug gewesen, den Protestierenden mit sozialen Zugeständnissen entgegenzukommen, hätte die Lage noch entschärft werden können, doch diese mangelnde Kompromissbereitschaft führte zu einer weiteren Radikalisierung der Proteste. Als die Armee den Befehl bekam, bei einer Großkundgebung auf dem Königsplatz in Haff am Pregel in die Menge zu schießen, weigerten sich die Soldaten und schlossen sich der Kundgebung an. Ähnliche Szenen wiederholten sich in anderen Städten des Landes. Am 7.11.2007 schossen in Wiemelhausen erstmals revolutionäre und königstreue Armeeteile aufeinander, bürgerkriegsartige Zustände brachen aus. Den revolutionären Truppen gelang es schnell, mit Hilfe der Roten Rehrarmee, einer bewaffneten Arbeitermiliz, die Kontrolle über das Rehrgebiet zu erlangen. Als auch die Hauptstadt an die Revolutionäre fiel flohen die Regierung und die Königsfamilie aus dem Land und die verbliebenen königstreuen Truppen verloren den Mut und legten die Waffen nieder. Überall im Land übernahmen revolutionäre Räte die Macht und am 18.12.2007 tagte in Haff am Pregel der erste Rätekongress, auf dem die Gründung der Volksrepublik Tauroggen beschlossen wurde. Da man mit einer Intervention Dreibürgens zugunsten der Monarchie rechnete nahm man sofort Verhandlungen mit Darusien auf zur Bildung einer föderalen Struktur, die eine gemeinsame Außen- und Verteidigungspolitik ermöglicht bei gleichzeitiger völliger innerer Autonomie. Mit der Unterzeichnung des Unionsvertrages am 20.5.2008 fanden diese Bemühungen ihren Abschluss, seitdem stehen beide Staaten dem dreibürgischen Imperialismus und allen anderen äußeren Bedrohungen gemeinsam entgegen.