"Unser Sozialsystem muss grundlegend reformiert werden"

"Unser Sozialsystem muss grundlegend reformiert werden"


Das Sozialsystem in unserem Land, basiert bisher zum grossen Teil auf der Landesgesetzgebung der Teilstaaten. Doch laut Fachexperten kann dies keine dauerhafte Lösung sein. Wir haben mit Professor. Dr. Armin Hunker, der Fachexperte auf dem Bereich der Sozialsysteme an Maximilian Universität in Lienz ist darüber geredet.


Herr Professor wie beurteilen Sie Lage der Sozialsysteme?


Es ist zum Teile eine katastrophale Situation, einerseits weil die Landesgesetze veraltet sind und den Empfänger nicht ein Leben in Würde zu ermöglichen, so dass viele noch von den Kommunen Ergänzungsleistungen beziehen. Aber natürlich ist das kein dauerhafter Zustand für ein Land wie unseres, indem die Inflation ein Grossteil der Ersparnisse wegerafft hat.


Es muss also Ihrer Meinung nach ein reichsweites Sozialversicherungsgesetz verabschiedet werden?


Das ist der Anfang, natürlich auch um die Länder und Kommunen zu entlasten. Es reichsweite Standards geben zum Beispiel wie viel Prozent die Arbeitgeber und die Arbeitnehmern in diese Sozialversicherungen einzahlen, sei es eine Alters oder auch eine Invalidenversicherung.


Gleichzeitig fordern Sie ein System das breit abgestützt ist. Was verstehen Sie darunter?


Nun meiner Meinung nach müsste man nicht nur auf staatliche Versorgung setzen. Ich habe mit meinen Kollegen ein Drei-Säulen-System vorgeschlagen. Die erste Säule wäre die staatliche Vorsorge, mit einer Alters- sowie einer Invalidenversicherung, einer Arbeitslosenversicherung, und einer Erwerbsersatzkasse, die zum Beispiel die finanzielle Entschädigung von arbeitenden Müttern übernimmt die in eine Babypause gehen oder Personen die Ihren Militärdienst ableisten. Diese soll auch verhindern, dass man unter das Existenzminium fällt, auch im Alter


Die zweite Säule. Wäre die sogenannte "Berufliche Vorsorge" soll eben wie schon der Name sagt, sollen die Unternehmer verpflichtet werden, von einer zuständigen Versicherungsanstalt, das Angebot anzunehmen. Also die "berufliche Vorsorge" oder auch "Pensionskasse", soll obligatorisch sein. Ein Mitarbeiter der bei einem Unternehmen arbeitet ist automatisch bei dieser versichert werden, wenn er er ein gewisses Mindesteinkommen hat und zahlt dann dort gemäss Kapitaldeckungsverfahren Beträge ein. Selbständige und Arbeitnehmer die nicht unter dieses Obligatorium fallen können sich freiwillig versichern lassen. Diese Säule soll der Erhaltung des gewohnten Lebensstandards dienen.


Die dritte Säule. Hierbei handelt es sich um steuerbegünstige Vorsorgemassnahme. Wir reden hier auch von "gebundener Vorsorge" die man erst ab dem entsprechen Rentenalter beziehen kann. Damit könnte man sich im Alter noch etwas leisten wie zum Beispiel ein Haus oder einen neuen Wagen, Auch hier soll gemäss Kapitaldeckungsverfahren gespart werden. Natürlich hängt der einzuzahlende Betrag ab, ob man schon bei einer Anstalt der "beruflichen Vorsorge" versichert ist oder nicht. Wenn kann jährlich nur ein Maximalbetrag einbezahlt werden, wenn nein sollte ein gewisse Prozentsatz vom Jahreseinkommen einbezahlt werden


Das sind die Vorschläge die wir haben.


Ein gewagtes Unternehmen Herr Professor, nicht?


Natürlich aber es ist ein Sozialsystem, dass auf die Dauer sicher Bestand haben würde und der Staat würde seiner Aufgabe gerecht werden.


Soll die Pflicht der zweiten Säule, also der "beruflichen Vorsorge" auch Personen betreffen die einem Haushalt als Dienstpersonal arbeiten?


Ganz klar ja. Natürlich wenn Sie unter das Obligatorium des Mindesteinkommens fallen, ansonsten ist auch wieder die Selbstverantwortung gefragt, dass man sich freiwillig bei der "Beruflichen Vorsorge" versichert.


Soll bei der zweiten Säule der gesamte Lohn einer Person versichert werden?


Nein das ist nicht die Idee dahinter. Dort soll nur jener Lohnteil oder Lohnteile versichert werden, die noch nicht von der ersten, staatlichen Säule abgedeckt sind.


Und wie wollen Sie dieses Problem lösen.


Durch einen "Koordinationsabzug". Dieser berechnet sich indem man einen gewissen Bruchanteil von der maximalen gesetzlichen Altersrente teilen würde. Daraus ergibt sich jährliche Abzug mal das entsprechende Arbeitspensum, ergibt den "versicherten Lohn" der durch die zweite Säule effektiv abgesichert wird.


Werden Sie diesem Plan dem zuständigen Minister so vorschlagen?


Wir überlegen uns jedenfalls ob wir dem Minister tatsächlich eine Petition mit diesen Vorschlägen überreichen.


Vielen Dank für das Gespräch Herr Professor!


Ich habe zu danken!



Das Gespräch führte Mina Hofer