"Sie wollte die totale Kontrolle" - ein Gespräch mit einem ex-Dienstmädchen

"Sie wollte die totale Kontrolle" - ein Gespräch mit einem ex-Dienstmädchen

von Johanna Czerwinski


Für gewöhnlich eine eher verschlossene Welt: Die der Dienstmädchen. Immer fleißig, freundlich und motiviert lesen sie dem Adligen jeden Wunsch von den Lippen ab, und sorgen dafür dass alles im Schloss reibungslos abläuft. Doch wie sieht der Dienstmädchenalltag wirklich aus? Sarah Voß, 2 Jahre Dienstmädchen auf Schloss Gerbenstein, hat es uns erzählt


Hallo, Sarah, danke dass Du Dich zur Verfügung stellst

Aber natürlich doch, der Leser sollte ja wissen wer seinem Lieblingsadligen den Haushalt macht (Lacht dabei)


Du warst 2 Jahre Dienstmädchen im Schloss Gerbenstein, wie kam es dazu?

Ich habe die Schule, auch durch die ganzen politischen Wirren erst spät beenden können. Und anschließend brauchte ich Geld, und da kam die Anzeige halt grade recht, also habe ich mich beworben und wurde eingestellt.. das große Erwachen kam direkt danach schon


Was genau meinst Du damit?

Naja, ich wollte mir dann eine kleine Wohnung suchen, aber das durfte ich nicht, ich musste im Schloss ein kleines Zimmer ohne Küche beziehen, wenigstens ein Bad war drinne... Für den Hausbesitzer natürlich gut, so hat der immer Dienstmädchen auf Vorrat wenn er welche braucht..


Aber in die Stadt durftet ihr schon oder?


Klar, wenn man eine halbe Stunde laufen wollte.. Versteh' mich nicht falsch, es macht ja Sinn Zimmer anzubieten aber das sollte doch kein Zwang sein..


Und was war mit der Arbeit?


Als Dienstmädchen macht man den ganzen Haushalt, und dazu noch bedienen, anziehen und ähnliches.. und Nein das anziehen ist kein Scherz


Anziehen?


Ja, insbesondere Katharina von Eylau wollte immer dass wir das machen, frag mich nicht warum ob Faulheit oder weil sie es nie gelernt hat, aber am schlimmsten waren die Reitstiefel.. das war ein Graus, so eng und lang wie die waren, das ersetzt den 1.000 Meter Lauf


Aber das Geld stimmte schon, oder? Und durch die Unterkunft gibt es ja auch Verpflegung


Nein das Geld war zu wenig für das was geleistet wird und das Essen war auch nicht gut. Das gute Essen bekommt der Chef.. nicht wir. Insbesondere bei der Eylau hatte ich das Gefühl sie will die totale Kontrolle über uns um immer genügend Sklaven ur Verfügung zu haben.. so habe ich mich nämlich zeitweise gefühlt


Ist Ihre Hoheit der Grund für Deine Kündigung gewesen?


Nein, nicht gänzlich. Sie ist zwar arrogant und hält sich für was besseres, aber davon abgesehen ist sie freundlich. Ich wollte den Job ohnehin nicht lange machen und als ich die Chance bekam meine Traumausbildung zu machen habe ich die natürlich ergriffen. Und dort bin ich jetzt glücklich


Danke für die Zeit, Sarah

Kommentare 3

  • Impertinenz, hat dieses Mädchen keine Ausbildung genossen? Man zieht als Untergebener niemals über die Herrschaft her.

    Das hätte in meiner Jugend zumindest Backpfeifen gesetzt, wenn nicht gar der Rohrstock zum Einsatz gekommen wäre.

    Aber heute muss ja das Personal umschmeicheln, welch Unsinn.

    Ich halte es mit den guten alten Prinzip lobe ,wenn Du loben musst und strafe wenn Du strafen musst!